Orgelmusik zur Marktzeit

Die Orgelmusik zur Marktzeit lädt dazu ein, für rund 40 Minuten aus dem Alltag herauszutreten und die große klangliche Bandbreite der Weigle-Mühleisen-Orgel zu erleben. Das Programm führt durch mehrere Jahrhunderte und verbindet sehr unterschiedliche musikalische Charaktere: festliche Fanfarenklänge, kunstvolle barocke Linien, ruhige und gesangliche Momente, die markante Tonsprache des 20. Jahrhunderts und schließlich die ganze Klangfülle der großen romantischen Orgel.
Zu Beginn stehen zwei kurze Stücke von Henry Purcell. Der strahlende Trumpet Tune „The Cebell“ und die passende Air greifen den festlichen, repräsentativen Ton der englischen Barockmusik auf. Die Orgel kann hier mit klaren, leuchtenden Klangfarben beinahe wie ein kleines Ensemble wirken.
Mit Georg Böhm führt das Programm anschließend in die norddeutsche Orgeltradition um 1700. Seine Bearbeitung über den Choral Allein Gott in der Höh sei Ehr verbindet eine vertraute Melodie mit kunstvoller, zugleich leicht fließender Satztechnik. Dabei steht weniger monumentale Klangfülle als vielmehr Transparenz und Bewegung im Vordergrund.
Einen deutlichen Kontrast bildet der erste Satz aus der 2. Orgelsonate von Paul Hindemith. Hindemith gehört zu den prägenden deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine Orgelmusik verzichtet weitgehend auf romantischen Überschwang und lebt stattdessen von klaren Linien, rhythmischer Energie und einer herberen, sehr eigenständigen Tonsprache.
Nach diesem markanten Abschnitt folgt mit dem Cantabile c-Moll von Justin Heinrich Knecht ein kurzer Ruhepunkt. Der Titel „Cantabile“ – „gesanglich“ – beschreibt den Charakter unmittelbar: Im Mittelpunkt steht eine schlicht geführte Melodie, die eine weichere und nachdenklichere Seite der Orgel hörbar macht.
Mit der Partita La Monica von Girolamo Frescobaldi geht der Blick noch weiter zurück in die frühe Barockzeit. Frescobaldi, einer der bedeutendsten Tastenkomponisten des 17. Jahrhunderts, verarbeitet darin ein damals weit verbreitetes musikalisches Modell in einer Folge von Variationen. Aus demselben musikalischen Ausgangsmaterial entstehen immer neue Bewegungsformen, Rhythmen und Klangwirkungen – ein Prinzip, das die Fantasie und Wandelbarkeit der frühen Tastenmusik besonders anschaulich zeigt.
Zum Ende hin wächst die klangliche Dimension des Programms deutlich. Sigfrid Karg-Elert verwandelt den bekannten Choral Nun danket alle Gott in eine kurze Marche triomphale. Aus der vertrauten Melodie entsteht ein prächtiger, festlicher Orgelmarsch, der bereits die großen orchestralen Möglichkeiten der spätromantischen Orgel ausschöpft.
Den Abschluss bildet die berühmte Toccata aus der 5. Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor. Mit ihren unablässig fließenden Figuren, dem kraftvollen Pedal und dem stetigen Aufbau gehört sie zu den bekanntesten Werken der Orgelliteratur. Sie zeigt die Orgel noch einmal von ihrer brillantesten und eindrucksvollsten Seite und setzt einen großen, festlichen Schlusspunkt.
Programm
- Henry Purcell: Trumpet Tune „The Cebell“ – „Air“
- Georg Böhm: Allein Gott in der Höh sei Ehr
- Paul Hindemith: Sonate II, 1. Satz
- Justin Heinrich Knecht: Cantabile c-Moll
- Girolamo Frescobaldi: Partita La Monica
- Sigfrid Karg-Elert: Nun danket alle Gott – Marche triomphale
- Charles-Marie Widor: Toccata aus der 5. Orgelsymphonie


